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  • Roger Gertschen

Wie die kollektive Kurzsichtigkeit unsere Welt zerstört


Entweder wir entwickeln Weitsicht oder wir haben bald keine Sicht mehr

Auf kollektiver Ebene hat diese Kurzsichtigkeit sich mitsamt des Raubtier-Kapitalismus wie ein Parasit auf dem ganzen Planeten ausgebreitet und zerstört langsam aber sicher die Lebensräume unserer Pflanzen, Tiere und auch die des Menschen.


Unsere fruchtbaren Böden verschwinden, unsere Wälder werden abgeholzt, unsere Flüsse verpestet, unser Meer vermüllt, unsere Luft vergiftet, und die Liste geht unaufhaltsam weiter.


Man kann und sollte mit dem Finger auf die Großkonzerne zeigen, denn diese führen die Schandtaten an unserer Mutter Erde aus. Um für eine kurze Zeit Profit und materiellen Überfluss zu generieren, zerstören sie die Ergebnisse von mehreren Milliarden Jahren Evolution. Es scheint mir manchmal, dass sich eine Krankheit in den Führungspositionen der Konzerne ausgebreitet hat, welche ihre Sicht und ihr Denken auf höchstens 10 Jahre in die Zukunft beschränkt, bei Politikern ist sie soweit fortgeschritten, dass sie nur noch die nächste Legislaturperiode sehen können.


Wacht auf! Seht ihr denn nicht, dass euer kurzzeitiger materieller Wohlstand das Leben von Milliarden anderer Lebewesen zerstört? Seht ihr nicht, dass ihr ein integraler Teil dieses Planeten seid und der Planet ein Teil von euch? Viele Jahrzehnte lang sind die Konzerne mit dieser Mentalität durchgekommen, doch langsam aber sicher sind die Symptome unserer Kurzsichtigkeit überall zu sehen und zu spüren.


Die Seuche der Kurzsichtigkeit ist jedoch nicht nur unter Unternehmern ausgebrochen, sie hat auch den Großteil des restlichen Volkes infiziert. Die Ansteckungen erfolgten vor allem durch Geldgier und die Projektion von Glück und Erfolg in materielle Gegenstände.


Das Konsumverhaltendes Verbrauchers bestimmt erst, was produziert wird. Die Krankheit kann also bei den Konzernführungen soweit fortgeschritten sein wie sie will, wenn der Verbraucher diese Produkte nicht kaufen würde, müssten sich die Konzerne der Nachfrage nach Nachhaltigkeit und Fairness anpassen.


Doch wir sind so in unseren rein persönlichen Interessen versunken, dass wir nicht über unseren Tellerrand hinausschauen. Oft stehe ich im Supermarkt und bekomme Gefühle von Verzweiflung und Trauer, wenn ich sehe, was die Menschen da kaufen. Ihr Horizont ist schlichtweg so klein, dass sie nicht einmal einen Gedanken daran verschwenden, wie es wohl dazu kommt, dass die Milch im Tetrapak für 80 Cent angeboten werden kann.


Hauptsache ich kriege die Ware billig, Hauptsache ich habe ein fünfzehntes Paar Schuhe, Hauptsache ich bin immer voll im Trend, ich, ich, ich, ich… Ein wir beschränkt sich dann vielleicht noch auf die Familie, oder die Nation, weiter geht der Horizont leider nicht oft genug.


Und es ist kein Wunder, viele Menschen haben buchstäblich keinen Horizont mehr. Ihre Sicht ist vollgekleistert mit Werbetafeln, Beton und Menschenmengen. Wie innen, so außen. Wie außen, so innen. Wenn du nicht mehr weiter als 100 Meter weit sehen kannst, wenn du überhaupt mal von deinem Smartphone hochguckst, ist es kein Wunder, dass sich deine Welt nur um „dich“ und ein paar nahestehende Personen dreht.


Filmtipp: Tomorrow

Eine neue Welt ist möglich und bereits im Kommen!


Breche aus, aus diesem Gefängnis! Innerlich sowie äußerlich!


Erweitere deinen Horizont und sehe, welche Auswirkungen deine täglichen Entscheidungen haben. Versetze dich hinein in die Kinder in Bangladesch, in die Tiere in Massentierhaltung, in den Regenwald und die indigenen Völker, die dort leben. Willst du das unterstützen? Willst du ein Grund sein, warum dies passiert? Oder willst du Teil des Wandels sein? Willst du ein Beispiel für Mitgefühl und Konsequenz sein? Es ist deine Entscheidung, jeden Tag aufs Neue.


Im Gegensatz zu uns sahen die alten indigenen Völker noch die direkten Konsequenzen ihres Handelns. Sie konnten ihre Nahrung nicht in Plastik verpackt kaufen und schnell in die Mikrowelle schmeißen. Sie konnten ihre Kleidung nicht schnell im Aldi für ein paar CHF kaufen. Sie mussten noch alles selbst anpflanzen, jagen und herstellen und somit war ihnen noch bewusst, dass sie direkt von der Natur abhängig sind. Die Natur zu zerstören hieß Selbstzerstörung und das heißt es immer noch. Doch ist es heutzutage nicht mehr direkt erfahrbar und verschwindet somit aus dem Bewusstsein der Menschen.


Bewusstsein. Das ist das Zauberwort, welches uns wieder mit uns – also dem Leben an sich – verbinden wird. Die Indianer waren sich ihrer Verbunden- und Abhängigkeit mit allem anderen so bewusst, dass sie nicht 1 oder 2, sondern 7 Generationen in die Zukunft schauten, wenn sie ihre Entscheidungen abwägten.



Die Erweiterung deines geistigen Horizontes steht in direkter Verbindung mit dem Horizont, den du vor deinen Augen siehst. Begib dich wieder in die Natur und schau dir den Sonnenauf- und Untergang an, gehe in den Weiten des Meeres verloren… schau wieder in den Himmel! Beobachtest du noch die Wolken, welche vorbeiziehen? Schaust du noch in den Sternenhimmel und lässt dich von der Kraft des Mondes in den Bann ziehen? In Himmel und Horizont sind höhere, weitere, größere Antworten versteckt.


Und wenn du schon dabei bist, wieso nicht auch deinen sozialen Horizont erweitern? Lerne neue Leute kennen, rede mit „Fremden“, besuche neue Orte und bereise die Welt, erfahre neue Kulturen, koche neue Gerichte… Siehst du? Die Möglichkeiten sind grenzenlos! Für uns persönlich sowie für den Planeten.


Dies erfordert jedoch eine neue Sicht auf die Dinge. Ein Perspektivenwechsel ist nötig, um die für diese Zeit gebrauchte Weitsicht zu erlangen, auf persönlicher sowie kollektiver Ebene. Ein Wechsel vom „Ich“ hin zum „Wir“. Ja, die Realisierung, dass „Ich“ und „Wir“ tatsächlich das Gleiche ist.


Ich sehe dich und ich sehe die Verbundenheit die zwischen dir und mir besteht. Diese Verbindung ist unabhängig von Zeit und Raum.


Ich sehe dich. Ich sehe unseren wundervollen Planeten. Ich sehe dieses wundervolle Leben. Ich sehe weit. Und ich hoffe das tust du auch.



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